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8 Jun

Spotlight on: bean-spectacles

Bei nachhaltiger Mode sind wir gerne kompromisslos – denn wer will beim Textilschweden ums Eck ein vermeintliches Bio-Baumwollshirt kaufen, dass dafür von Kinderhänden zusammengenäht wurde? Oder ein fair produziertes Top, dass aber bis zur Enddestination in unserem Schrank dreimal um die Welt geflogen ist? Grundsätzlich freuen wir uns über jede noch so kleine Entwicklung in die richtige Richtung – aber wir gehen auch gerne aufs Ganze.

Diese Ansicht vertritt auch Florian Hermüller, ein 26 Jahre junger Techniker aus Oberösterreich. Von klein auf war er ein Tüftler – und bastelte sich im zarten Alter von acht Jahren sein erstes Motorrad aus einem Fahrrad und einem Motorrollerantrieb selbst. Im Mai 2016 gründete er sein Einzelunternehmen bean-spectacles, mit dem er Brillen aus kaputten Jeans und Büchern herstellt. Mittlerweile bietet er sechs verschiedene Modelle an, die er weltweit verkauft.

Die Brillen werden von Hand in Österreich hergestellt – und jeder Aspekt der Produktion ist auf Umweltfreundlichkeit getestet. Der Kleber ist größtenteils aus Bio-Masse, der Abfall wurde auf ein Minimum reduziert und das Verpackungsmaterial besteht aus Recycling-Kartons oder zerschredderten Tageszeitungen.  Der wenige Rest, der in der Produktion bestehen bleibt, soll in Zukunft ebenfalls weiterverwendet werden: Anhänger, Handycover und Armbänder sind bereits in Planung.

Florian von bean-spectacles war so freundlich, uns ein paar Fragen zu seinem Unternehmen zu beantworten – und die Antworten wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten:

Wie würdest du dich einer fremden Person vorstellen?

Servus! Wie geht’s dir? Mein Name ist Florian und wie heißt du? So, oder so ähnlich könnte mein Gesprächseinstieg aussehen. Da bin ich eigentlich sehr direkt. Wenn ich dann für meinen Gegenüber interessant genug bin würde ich der Person dann erzählen, dass für mich Ehrlichkeit sehr wichtig ist. Dabei meine ich nicht nur Ehrlichkeit zu anderen Menschen auch Ehrlichkeit zu sich selbst. Außerdem bin ich ein sehr offener und neugieriger Mensch, wenn ich etwas sehe oder höre das mich interessiert will immer wissen wie das funktioniert. Oft wird auch von mir behauptet ,dass ich sehr nachdenklich wirke. Das liegt wahrscheinlich auch daran ,dass mir immer irgendwelche Ideen im Kopf herumschwirren und ich tatsächlich über viele Dinge nachdenke.

 

Kannst du uns den Produktionsablauf einer deiner Brillen erklären?

Natürlich! Am Anfang steht das Material, also eine kaputte Jeans und ein altes Buch. Da ich immer sehr viel Material zugeschickt bekomme, muss zuerst sortiert werden. Hat der Kunde einen speziellen Wunsch was die Farbe angeht, wird das in diesem Schritt festgelegt.

So, dann werden die Jeans und die Bücher in kleine Stücke geschnitten, die in etwa der Größe einer Brille entsprechen. Diese werden dann mit Hilfe eines speziellen Klebers zu einer Platte verklebt, welches schlussendlich das Ausgangsmaterial für die weitere Bearbeitung darstellt.

Im Anschluss wird der Rahmen und die Bügel mit Hilfe einer CNC Fräsmaschine ausgefräst. Die einzelnen Teile werden dann von Hand geschliffen, die Kanten abgerundet, die Glasnut eingefräßt, Bügel und Rahmen zusammengebaut, ausgerichtet und Gläser eingepasst – fertig.

Wo werden deine Produkte mittlerweile überall verkauft?

Wir konzentrieren uns derzeit auf den DACH Raum. Nichtsdestotrotz melden sich auch ununterbrochen Unternehmen und Interessierte aus der ganzen Welt bei uns die unsere Brillen kaufen und auch verkaufen wollen. Das Feedback ist überwältigend!

 

Warum liegt dir nachhaltiges Produzieren am Herzen?

Mir wurde in den letzten Jahren einfach bewusst welchen Einfluss Menschen auf die Umwelt haben. Wir leben in einem totalen Überfluss und sind auch sehr verschwenderisch. Vor allem das Wertempfinden für Produkte wurde immer weniger. Viele Menschen wissen garnicht wieviel Zeit und Materialaufwand in einer Jeans steckt. Man muss immer bedenken ,dass am anderen Ende, also auf der Herstellerseite, ein Mensch in irgendeiner Form dieses Produkt hergestellt hat.

Vor allem Fast Fashion ist mir ein Dorn im Auge, Unmengen an Kleidung von minderer Qualität zu kaufen nur um sie bald in die Mülltonne zu werfen.Ein Unsinn meiner Meinung nach! Mir war und ist noch immer wichtig ,dass sich Menschen über den Wert der gekauften Sachen bewusst werden und das jedes Produkt, vor allem solche aus Plastik großteils aus einem Rohstoff hergestellt werden der nicht nachwächst und somit begrenzt ist. In manchen Teilen der Welt liegen dann diese wertvollen Rohstoffe auf einer Deponie und schädigen die Umwelt nur weil wir Menschen aus Bequemlichkeit neue Rohstoffe aus der Erde schürfen anstatt die bereits Vorhandenen wieder zu verwerten.

Darum ist mir eine nachhaltige Produktion wichtig, ich wollte ein Produkt schaffen welches die Menschen auf diesen Zustand aufmerksam macht.

 

Welche Bücher, Filme, Podcasts etc. zum Thema Nachhaltigkeit muss jeder kennen?

Ich stütze eigentlich den Großteil meiner Ansichten auf eigenen Erfahrungen, ein konkretes Buch dazu habe ich nicht. Eine Person die mich aber sehr inspiriert hat ist der niederländische Designer Dave Hakkens. Mit seinem Youtube Channel Precious Plastic kämpft er für Plastikrecycling. Sein ganzer Kanal ist wirklich empfehlenswert, mit seinen Videos schafft er es Menschen auf dieses Müllproblem aufmerksam zu machen.

 

 

 Die Modelle, die fast zur Gänze aus wiederverwerteten Materialien bestehen (mit Ausnahme von Gläsern und Scharnieren), kommen sogar mit handgenähtem Brillenbeutel (natürlich aus wiederverwendetem Jeansstoff) und handgenähtem Brillenschutztuch. Und wenn das nicht Grund genug wäre, bean-spectacles auszukundschaften – zusätzlich zur nachhaltigen Herstellung sehen die Modelle auch noch richtig gut aus. Verliebt haben wir uns vor allem in Luwak und Parisi.  Erstere besticht mit seinem modernen Gestell, das durch die Textur des Jeansstoffs besonders zur Geltung kommt. Für einen Auftritt à la „Audrey Hepburn im 21. Jahrhundert“ greifen wir lieber zu zweiterem Modell.

 

Wer wie wir schon mindestens drei verschiedene Modelle sein Eigen nennen möchte, muss sich noch in Geduld üben: Die Brillen werden derzeit wegen Vorbereitungen auf eine Kickstarter-Kampagne nicht verkauft. Durch diese soll ab Ende Juli Geld für neue (natürlich gebrauchte) Geräte gesammelt werden, um die Herstellung effizienter zu gestalten und positive Auswirkungen auf Qualität und Preis zu bekommen.

Ein kleiner Wehrmutstropfen für alle, die es wie wir nicht abwarten können: Im Zuge der Kampagne kann man sich die Stücke zu einem günstigeren Vorverkaufspreis sichern.

Wir werden warten und melden uns, sobald die Kampagne anläuft – aber erst, nachdem wir unsere Wunschmodelle geschnappt haben…

 

– Nelly Nylon

Nelly Nylon
Nelly Nylon

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: nelly.nylon@blog-mag.net

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