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7 Jul

Bambus – Der schnelle Brüter

Steigende Bevölkerungszahlen – die Gier der ersten Welt nach immer noch mehr Kleidung in noch kürzerer Zeit – der Drang der Modeindustrie sich selbst zu überholen – all dies verlangt nach Ressourcen die sich schnell regenerieren.

Bambus ist einer dieser Rohstoffe. Er gehört zu einer der zwölf Unterfamilien der Süßgräser und wächst auf allen Erdteilen außer in Europa und der Antarktis. Man zählt etwa 1500 Bambusarten, die zwischen dem Meeresspiegel und einer Seehöhe von 4000 Metern auftreten, am besten gedeiht er jedoch in tropischen und subtropischen Gebieten.

Schätzungsweise 37 Millionen Hektar nimmt die Anbau- und Wildwuchsfläche weltweit ein, davon befinden sich sechs Millionen in China und neun Millionen in Indien. Der Bambus hat in Fernostasien überaus große ökologische, ökonomische und auch kulturelle Bedeutung und bildet dort für ungefähr 1,5 Milliarden Menschen die Lebensgrundlage. Das Riesengras ist als Bau- und Brennstoff (sein Verhältnis von Eigengewicht zu Nutzlast übertrifft selbst das von Stahlbeton und seine Zugfestigkeit erreicht den zweieinhalbfachen Wert von Stahl) und zur Herstellung von Nahrungsmitteln, Papier, Kosmetika, Textilien und Musikinstrumenten, sowie Waffen verwendbar.

Bambus ist tatsächlich ein schneller Brüter – kaum eine andere Pflanze wächst so rapide wie der Bambus. Manche Sorten erlangen innerhalb eines Monats eine Höhe von 10 Metern und der Stamm weist einen Durchmesser von bis zu 10 Zentimetern auf. Als besonders erwähnenswert gilt, dass er keiner künstlichen Bewässerung bedarf. Auch der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden ist eigentlich nicht nötig, da die Pflanze extrem widerstandsfähig ist. Das macht ihn gegenüber der Baumwolle ökologisch enorm attraktiv. So weit so gut – bis hierhin ist alles noch recht nachhaltig.

Wir müssen uns aber davon verabschieden zu glauben, dass wir es mit Bambus-Textilien zu tun haben. So wie beim Eukalyptus ist es unmöglich direkt aus der Pflanze Garne herzustellen. Die im Bambus enthaltene Zellulose dient als Basis zur Herstellung von regenerierten Chemiefasern der zweiten Generation, zu denen auch die Viskose zählt. Bambus wird zerkleinert und chemisch aufbereitet bis eine zähflüssige Masse entsteht, die anschließend durch Düsen gepressten Fäden landen in einem Fällbad. Danach werden die Fäden zu Garnen und Stoffen weiterverarbeitet.

Lenzing in Oberösterreich hat ein Verfahren zur Viskoseherstellung (Eukalyptus) entwickelt, dass den Einsatz von Chemikalien drastisch reduziert und das dazu benötigte Wasser kann fast gänzlich wiederverwendet werden, was ihnen auch einen europäischen Ökologie-Preis beschert hat. Wie wir aber wissen, wird der größte Teil der Viskose nicht in Lenzing, sondern in Fernostasien produziert und man kann davon ausgehen, dass dort nicht ganz ohne Natronlauge und ungiftigen Lösungsmitteln gearbeitet wird. Hier endet dann auch schon die Nachhaltigkeit, insbesondere wenn man die Transportwege und den damit verbundenen ökologischen Fußabdruck, die diese auf unserem Planeten hinterlassen, bedenkt.

Tatsache ist, es gibt keine Bambus-, Eukalyptus-, Birken- oder was für immer auch-Textilien – denn nach der Verarbeitung zur Viskose ist nicht mehr feststellbar welcher Rohstoff die Grundlage dafür war. Rein der in den Pflanzen enthaltene Zellstoff ist relevant. Die Nachhaltigkeit ist lediglich im Verhalten der Pflanze bei Wachstum, Bewässerung, Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Düngung zu bemessen.

Wobei man auch einmal erwähnen muss, dass es etliche Firmen gibt, die durchaus offen für Innovationen sind und sich mit alternativen Ausgangsmaterialien zur Garnherstellung aus Milch, Krabbenschalenresten, Tofu- und Maisabfällen oder ähnlichem beschäftigen. Das alles steckt abernoch in den Baby-Patscherln!

Grundsätzlich wird es wahrscheinlich nie eine 100% nachhaltige Herstellung von Textilien geben, irgendwo müssen immer Abstriche gemacht werden. Erdöl und Wasser werden immer knapper, daher ist anzunehmen, dass Chemiefasern und vor allem unsere geliebte Baumwolle sich in Zukunft verteuern. Textilien auf Basis von Bambuszellstoffen können sicherlich vorübergehend eine Alternative bilden.

Weniger Konsum heißt die Lösung für diesen Planeten und seine Menschen!

After one look at this planet any visitor from outer space would say: „I want to see the manager.“    (William S. Burroughs)

 

Elvira Trevira

 

 

Elvira Trevira
Elvira Trevira

Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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