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13 Jul

McQueen – East End Bad Boy

Bad Boy – Enfant Terrible – Exzentriker – Skandalöser Fashion-Prolet – Hooligan of English Fashion, so lauteten die Bezeichnungen, mit denen Alexander Mc Queen in seinem leider viel zu kurzem Leben asoziiert wurde.

Für alle die nicht mit dem Mainstream schwimmern, wird er wohl für immer „The King of British Fashion“ bleiben.

Geboren wurde Lee Alexander McQueen in South London, übersiedelte aber bereits im zarten Alter von einem Jahr mit seiner Familie ins Londoner East End, beides bekannterweise nicht unbedingt die nobelsten Gegenden. Als Sohn eines schottischstämmigen Taxifahrers, wuchs er als jüngstes Kind neben fünf Geschwistern, davon drei Schwestern auf, für die er schon in sehr jungen Jahren Kleider schneiderte und so wohl auch sein Talent und die Liebe zum Modedesign entdeckte.

Seine Ausbildung zum Herrenschneider erhielt er in der Savile Row, wo dieses Handwerk zum Exzess hochstilisiert wird – zurecht – die Savile Row ist die Wiege der Herrenschneiderei. Seine erste Lehrstelle befand sich bei Anderson & Shepherd, hier arbeitete er auch an Sakkos für den Prince of Wales (Charles). Angeblich habe er in in das Jackenfutter des Thronfolgers „I am a Cunt“ (was ich hier nicht übersetze) eingenäht – die Sakkos wurden aus dem Buckingham Palace zurückgeholt und man fand exakt gar nichts. McQueen allerdings, war seine Lehrstelle los – unbeeindruckt wechselte er zum schärfsten Konkurrenten des Unternehmens, Gieves & Hawkes. Viele Jahre später wurde McQueen der Orden des British Empire verliehen, von niemand geringerem als Prince Charles – McQueen soll verhalten gekichert haben.

Anschließend trat er eine Stellung bei den Londoner Kostümbildnern „Angels The Costumiers“ an. Bei Koji Tatsuno, einem japanischen Designer, der mit antiken Stoffen arbeitete, wurde er im Anschluss engagiert. Danach fungierte er in Mailand beim 80er Jahre Shooting-Star Romeo Gigli als dessen Assistent. Zurück in London wurde er im Central Saint Martins College of Art and Design aufgenommen, wo er 1992 den Master of Arts erhielt. Seine Abschluss-Kollektion nannte er „Jack the Ripper Stalks his Victims“, er nähte Menschenhaar in Seide ein, seine lebenslange Affaire mit Morbidität, Sado-Masochismus, den Abgründen der menschlichen Seele und den Grausamkeiten zu denen die Bestie Mensch fähig ist, zeichnete sich in dieser Kollektion schon deutlich ab.

In den nächsten Jahren – 1992 beglückte er uns mit der Bumster-Pants (eine sehr tief an der Hüfte sitzende Hose – die eine andere Form des Dekolleté zeigt, heißt: man sieht den Anfang des verlängerten Rücken) – schockierte er die Modewelt mit Shows, bei denen er blutverschmierte Models auf den Laufsteg schickte, nach dem Defilee seiner 1995er Kollektion präsentierte er den versammelten Journalisten seinen nackigen Popo. Ein stilisierter Totenkopf zählte zu seinem Markenzeichen. Sein eigenes Unternehmen gründete er 1993.   Teilweise kann man seine Entwürfe eher der Haute Couture als dem Prêt-à-porter zuordnen, oft waren sie untragbar, vielmals orientierte er sich aber auch in Richtung Mainstream. Ein stets zu erkennender Einfluß war McQueens schottische Abstammung. Die Inszenierungen seiner Shows waren atemberaubend spektakulär. Ob Wölfe, die von den Models an Leinen über den Laufsteg geführt wurden, oder ein Hologramm der kokainschnupfenden Kate Moss, Tamponfäden, die von den Röcken seiner „Highland Rape Collection“ hingen, Alexander liebte es zu provozieren. In einer weiteren Kollektion trug eines seiner Models kleine deutsche Kriegsflugzeuge am Kopf und ein anderes Model, dessen Beine amputiert waren, zeigte er mit handgearbeiteten Holzbeinen.

Im Jahr 1997 holte das Haus Givenchy (LMVH-Gruppe) den 27jährigen Alexander McQueen als Nachfolger von John Galliano nach Paris, um die Haute Couture für das Unternehmen zu entwerfen. Das Ziel war die Kollektionen spritziger zu gestalten, und McQueens Designs erregten auch unmittelbares Medieninteresse, jedoch gelang es ihm nicht eine homogene Linie für Givenchy zu manifestieren. 51% seines eigenen Unternehmens verkaufte er im Jahr 2000 an den direkten Konkurrenten, die Gucci-Gruppe PPR und blieb selbstverständlich Design-Chef seiner eigenen Marke.

Im gleichen Jahr heiratete McQueen seinen Lebensgefährten George Forsyth auf Ibiza, Kate Moss ließ es sich nicht nehmen als seine Trauzeugin zu fungieren. In 2001 trennten sich die beiden bereits wieder, blieben nach einer eineinhalbjährigen Schmollphase jedoch in Freundschaft verbunden. In seiner Karriere erhielt McQueen etliche Auszeichnungen für sein Schaffen, auch eine Parfum-Linie wurde gemeinsam mit L’Oréal entwickelt, aber bereits 2008 wegen mäßigen Erfolgs wiedereingestellt. Die Firmen Puma und Samsonite, sowie die amerikanische Target-Gruppe bedienten sich seiner Kreativität. Fast alle Kostüme von Lady Gaga gingen auf McQueens Konto, ebenso die berühmten „Armadillo-Stiefel“, die sie bei den MTV Awards 2010 trug.

In einem BBC Interview beklagte er gegenüber einem Journalisten: ``It's a nightmare thinking up new ideas.``

Am 11. Februar 2010, dem Tag vor dem Begräbnis seiner Mutter, wurde Alexander McQueen leblos in seiner Wohnung in London Mayfair aufgefunden. Sein Leben war immer wieder von Depressionen, dem nie endenen Druck nach absoluter Kreativität und natürlich auch von Drogensucht geprägt. Neben Westwood und Galliano zählt McQueen zu den bedeutetsten britischen Designern – er war ein schillernder Exzentriker, der die Modewelt in einen permanenten Schockzustand versetzte und in dessen Kollektionen sich die verstörte Persönlichkeit eines hochgradig sensiblen Künstlers spiegelt.

Alexander McQueen wurde knapp 40 Jahre alt.

“Fashion should be a form of escapism, and not a form of imprisonment.” — Alexander McQueen (17. März 1969 – 11. Februar 2010)

Elvira Trevira

Elvira Trevira
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Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreib mir: elvira.trevira@blog-mag.net

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